Pfarrnachrichten

Download

Datenschutz

Dienstag, 07 Oktober 2014 17:01

Kirchenmusik

geschrieben von Christophe Knabe

KlaviertastenTon angeben - Ton abnehmen, Kirchenmusiker ist mehr, als nur Töne angeben und Noten spielen... Was gibt er? Was bekommt er?

Als mich dieser "Arbeitstitel" für einen Artikel im Bewegungsmelder im Urlaub erreichte, saß ich gerade auf meiner Terrasse. Ehrlicherweise haben diese Fragen mich den ganzen Tag zum Verweilen, Überlegen und Philosophieren im Gartenstuhl angeregt. Was gibt er? Was bekommt er? Diese beiden Fragen kann man eigentlich nur sehr subjektiv beantworten. Ein paar Gedanken, die mir spontan eingefallen sind:

Ich gebe zu, dass es für mich sehr schwer ist, einen Artikel diesbezüglich zu verfassen. – Ich bekomme es hoffentlich auf die Reihe.

BuchIch gebe mich glücklich, wenn ich nach der Chorprobe nach Hause gehe, und den Chorsängerinnen nicht nur Töne beigebracht, sondern neben der Liebe zur geistlichen Musik auch den Inhalt unseres Glaubens näher gebracht habe. – Ich bekomme vollkommene Zufriedenheit, wenn ich in der Liturgie oder im oratorischen Konzert in die glücklichen Augen der Sängerinnen blicken darf, wenn wir gemeinsam zum Lobe Gottes die Herzen der Menschen berühren.

Ich gebe mein Bestes, um mit meinen Fähigkeiten die Liturgie mit vielfältiger Musik auf höchstmöglichem Niveau zu gestalten. Wenn ich Gottes Wort in der Liturgie ernst nehme, muss die Musik in der Liturgie dem ebenbürtig sein. Einer Orchestermesse, einem Chorstück, einem Kirchenlied oder einem Kindergartenlied bei einem feierlichen Hochamt, einer Werktagsmesse, Exequien oder einem Schulgottesdienst möchte ich die gleiche "künstlerische" Aufmerksamkeit schenken. – Ich bekomme dies, meine ich, sehr oft hin, erwische mich aber auch dabei, dass ich durch Unaufmerksamkeit oder Desinteresse diesem Ideal nicht immer gerecht werde.

Ich gebe manchmal meiner Ungeduld bei einer Chorprobe freien Lauf, wenn eine Stimme nach wiederholtem Male nicht sitzt oder ein Stück nicht so läuft, wie ich es gerne haben möchte. – Ich bekomme die Geduld der Chorgruppe mit dieser meiner persönlichen Schwäche zu spüren.

Ich gebe viel Zeit für meinen Beruf und bin von morgens bis abends unterwegs. – Ich bekomme glücklicherweise sehr viel Verständnis zu Hause dafür, aber auch berechtigterweise Ärger, wenn ich es übertreibe oder es am freien Tag oder während der Ferien nicht lassen kann, zu arbeiten.

Ich gebe dem Gottesdienst durch die musikalische Gestaltung meinen persönlichen Stempel. – Ich bekomme dafür viel Zustimmung, aber auch manchmal berechtigterweise Kritik, da ich nicht den persönlichen Geschmack eines jeden treffen kann.

Ich gebe zum Auszug immer ein Stück der Orgelliteratur oder eine Improvisation über das Schlusslied "zum Besten". – Ich bekomme dafür sehr oft Applaus, wofür ich mich meist geniere, aber mich immer heimlich freue, und mich dann wiederum ärgere, wenn er ausbleibt, da ich mich dann frage, ob ich nicht alles gegeben habe.

KlavierIch gebe dem gregorianischen Choral die Aufmerksamkeit, den er in meinen Augen verdient hat. Nicht nur die geistliche Musik, sondern unsere gesamte Musik hat sich aus diesem einstimmigen Gesang entwickelt. Er gilt als Wiege der abendländischen Musik. – Ich bekomme oft mit, dass viele nichts mit dem gregorianischen Choral anfangen können oder sogar die "Berührung" mit ihm ablehnen, da sie ihn als verstaubtes "vorkonziliares Brauchtum" ansehen. Dies ist eine Feststellung und keine Kritik. Bei mir war es mal genauso.

Ich gebe mir Mühe, mich mit dem neu-geistlichen Liedgut zu beschäftigen. Damit meine ich nicht die "neueren" Gesänge aus "Kommt & Singt", die man eher bis auf wenige Ausnahmen als "Kinderlieder" mit ganz klassischer Melodiekonstruktion bezeichnen kann, sondern richtige neu-geistliche Lieder von RuhamaHabakuk oder Gregor Linßen, um mal drei große Namen neben vielen anderen in den Raum zu werfen. Da gibt es sehr viel gute Musik, die mir sehr zu Herzen geht, und ich bewundere die Ausführenden. – Ich bekomme mit, dass ein Teil der Gemeinde sich mehr neugeistliches Liedgut wünscht, ich mich aber damit sehr schwer tue. Dies hat nichts mit Ignoranz zu tun, sondern scheitert an meiner Fähigkeit, die Lieder rhythmisch korrekt darzustellen. Diese Fähigkeit besitze ich trotz vieler Versuche nicht. Dafür freue ich mich umso mehr, dass wir Musiker in der Gemeinde haben, die dies sehr gut können.

Kantor Christophe KnabeKirchenmusiker ist mehr, als nur Töne angeben und Noten spielen.

Ja, das stimmt auch. Kunstmaler sein heißt ja auch nicht, Farbe auf den Pinsel und einfach Bilder malen. Wie beim Maler kommt auch beim Musiker das künstlerische Können mit ins Spiel. Daher sind Kirchenmusiker, wie alle anderen Musiker, Bildhauer oder Maler, Künstler mit ihren individuellen Fähigkeiten. Kirchenmusik "machen" ist neben anderen Faktoren auch immer sich künstlerisch betätigen.

Es gibt aber einen signifikanten Unterschied. Wenn sie zu einer Ausstellung eines Malers gehen, schauen sie sich die Bilder an. Wenn sie in die Oper gehen, hören sie sich eine Oper der Ausführenden an. Eine "passive" Haltung. Ich als "ausführender Musiker" bin beim Gottesdienst auf Sie alle als "aktive" Teilnehmer "angewiesen". Ich gebe den Ton zwar an, Sie nehmen den Ton zwar ab, aber gemeinsam verwirklichen wir die Kirchenmusik zur Ehre Gottes!

Christophe Knabe

Letzte Änderung am Samstag, 16 April 2016 09:27
Mehr in dieser Kategorie: 3Klang - neuer Mehrgenerationenchor »
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung