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Freitag, 29 Januar 2016 11:07

Grußwort zu den Pfarrnachrichten

geschrieben von

WeggehenLiebe Leserinnen und Leser,

letzten Sonntag hörten wir aus dem Lukasevangelium, dass Jesus in seiner Heimatstadt in der Synagoge den Propheten Jesaja zitierte: "Der Herr hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." (Lk 4,18f) Danach beginnt er, ihnen die Schriftstelle auszulegen: "Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt."

An diesem Sonntag hören wir, wie seine Zuhörer daraufhin in Wut geraten und Jesus aus der Stadt heraustreiben und einen Abhang hinabstürzen wollen (Lk 4,21-30). Von Jesus aber heißt es "Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg."
Ich wünschte mir selbst so manches Mal mehr von dieser Souveränität Jesu: sich von störrischen Widersachern nicht in Beschlag nehmen zu lassen und das zu tun, wozu man berufen ist. Das kann dann auch das Weiterziehen und Weggehen beinhalten, wenn man spürt, dass man bei Menschen selbst nicht mehr das bewirken kann, wozu man eigentlich gesandt war.

Mir scheint es, dass es heute mehr Menschen denn je gibt, die alles "besser" wissen und nicht selten zum Wutbürger mutieren, ohne sich ernsthaft mit einem Sachverhalt genügend auseinander gesetzt zu haben. Sie machen anderen damit das Leben oft unerträglich und blockieren Leben für viele. Kein Wunder, dass da immer weniger Menschen bereit sind, ein öffentliches Amt in Staat, Gesellschaft oder Kirche einzunehmen!

Was aber macht Jesus? Er geht unbeirrt seinen Weg und lässt die Besserwisser und Wutbürger am Abgrund stehen. Er wendet sich dem Leben zu, um allen Menschen guten Willens die frohe Botschaft der Befreiung zu verkünden. So kann er die Worte sprechen, "Heute hat sich das Schriftwort erfüllt!" – Wenn wir dem Wort Gottes in unserem Leben folgen, wird es auch für uns "heute" in Erfüllung gehen können!

Ihnen allen ein gesegnetes "heute"!
Winfried Kissel, Pfr.


Grußwort zu den Pfarrnachrichten: Ausgabe 31.01.2016, 4. Sonntag im Jahreskreis

Letzte Änderung am Mittwoch, 11 Mai 2016 11:16