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Kirchplatz von St. Johann Baptist in RefrathKirchplatz von St. Johann Baptist in Refrath

Freitag, 20 März 2020 14:32

Laetare - freue dich!

geschrieben von

Altenberg himml Jerusalem Liebe Schwestern und Brüder,

„Laetare, Jerusalem – Freue dich, Jerusalem!“, so lautet der traditionelle Name des vierten Fastensonntags, der sich auf das Buch Jesaja 66,10-11 bezieht, wo geschrieben steht: „Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung!“. Wenn wir diesen Satz des Propheten Jesaja verinnerlichen, dann begehen wir als Christen heute einen Tag der Freude, einen fröhlichen Festtag, inmitten von all dem Leid in unserer Welt, inmitten einer weltweiten Verunsicherung der Menschen! Diese Freude

zeigt sich auch darin, dass die Farbe der liturgischen Gewänder vom dunklen Violett in einen helleren Violettton oder gar ins Rosafarbene gewechselt hat. Dieser vierte Sonntag vor dem Osterfest hat somit eine besondere Stellung unter den Fastensonntagen, auch wenn viele von Ihnen und Euch in diesem Jahr nur in einer der vielen Übertragungen via Fernsehen, Internet oder Radio mitfeiern können.

„Laetare, Jerusalem – Freue dich, Jerusalem!“

Für uns Christen markiert dieser vierte Fastensonntag eine Art Halbzeit hin zum Osterfest. Ist hier vielleicht der Grund zur Freude an diesem Sonntag zu finden? Die Hälfte der Fastenzeit – nach alter Zählung vom 1. Fastensonntag bis zum Gründonnerstag – ist nun hinter uns und somit nähern wir uns dem Ende dieser getragenen und ernsten Wochen, die eigentlich gar nicht so recht in das heutige Lebensbild der „Spaßgesellschaft“ passen wollen. Und Halbzeiten begegnen uns ja nicht nur im Kontext zur Fastenzeit, sondern in vielen anderen Bereichen des Lebens! Es gibt die Halbzeit im Schuljahr, der Studienzeit, dem Berufsleben und nicht zu vergessen, auch in Sport und Freizeit. Je nach persönlichem Empfinden erscheinen diese Halbzeiten im Alltag und Leben einmal mehr positiv und ein anderes Mal mehr negativ! So wird sich ein Arbeitnehmer nach gut 24 Arbeitsjahren freuen, dass er die Halbzeit zum wohlverdienten Ruhestand überschritten hat. Doch so mancher Mitbürger wird auch erschrecken, wenn er erfährt, dass er mit einem Lebensalter von 42 Jahren die Hälfte seiner statistischen Lebenserwartung in unserem Land erreicht hat.

„Laetare, Jerusalem – Freue dich, Jerusalem!“

Doch wenn wir auf Jesus Christus an diesem „Sonntag der Freude“ schauen, wie mag er sich an diesem Tag gefühlt haben? Jesus bewegte sich, wie uns die Evangelien berichten, immer näher auf Jerusalem zu, obwohl er sicher wusste, was ihn in dieser Stadt erwartet! Neben der triumphalen Begrüßung durch seine Anhänger bei seinem Einzug in die Stadt Jerusalem gab es wenige Momente der Freude für Jesus. Gewiss, er feierte noch in der vertrauten Runde mit seinen Jüngern das Passahmahl, das letzte Abendmahl, doch dann folgten sein Verrat, die Angst und Verhaftung im Garten Getsemani, das Verhör vor dem hohen Rat, die Geißelung und Verurteilung durch Pilatus, der Leidensweg hin nach Golgatha und schließlich der Tod am Kreuz!
Nein, Jesus hätte ob dieser wenig angenehmen Aussichten wahrhaftig keinen Grund zur Freude gehabt!

„Laetare, Jerusalem – Freue dich, Jerusalem!“

Aber wie würde es aussehen, wenn wir uns von der Vorstellung des irdischen Jerusalems abwenden? Wenn das Buch Jesaja eine Stadt meint, die nicht von dieser Welt ist? Hätte nicht das „himmlische Jerusalem“, so wie es der Evangelist Johannes in seinen Offenbarungen beschreibt, einen wirklichen Grund zur Freude? Bis zum Osterfest, dem Mysterium von Tod und Auferstehung, sind die zwölf goldenen Tore dieser Stadt verschlossen, die mit Juwelen und Edelsteinen besetzten Mauern und Zinnen unüberwindlich. Dieses himmlische Jerusalem wartet in all seinem Glanz und seiner Pracht auf Jesus Christus den wahren König, den großen Triumphator und neuen Herrscher. Dem Weltenherrscher, der den ewigen Frieden bringt, der diese Stadt zu einem Heiligtum macht und somit das vollendet, was wir Menschen im irdischen Jerusalem nicht erreichen konnten, vielleicht auch nie in unserer menschlichen Schwachheit erreichen können.

„Laetare, Jerusalem – Freue dich, Jerusalem!“

Liebe Schwestern und Brüder, dennoch haben wir gerade an diesem vierten Fastensonntag, in diesen für uns persönlich und unsere gesamte Gesellschaft herausfordernden Tagen, Wochen und Monaten, wahrhaft einen Grund zur Freude! Die Fastenzeit geht auf das Ende zu und wir schicken uns an, das Geheimnis von Tod und Auferstehung zu feiern, also unsere Erlösung, unsere Heilung und Gesundung an Leib und Seele. Im Tagesgebet zum vierten Fastensonntag heißt es: „Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben, damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt.“ Und im Gabengebet heißt es: „Herr, in der Freude auf das Osterfest bringen wir unsere Gaben dar. Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern, das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet.“ Christus hat uns aus allem Leid, aus aller Schuldhaftigkeit erlöst und er ist der König des neuen, des himmlischen Jerusalems. Er hat uns in seiner freien Erlösungstat die Tore dieser Stadt weit geöffnet und wir können sicher sein, dass wir nach dem „irdischen Jerusalem“, in sein „himmlisches Jerusalem“ eingehen werden. Deshalb ist es uns erlaubt diesen besonderen Sonntag in der Fastenzeit, trotz und gerade aufgrund der vielen aktuellen Herausforderungen, getrost feierlicher zu gestalten und uns zu freuen. Ja, wir dürfen und können aus reinem Herzen rufen:

„Laetare, Jerusalem – Freue dich, Jerusalem!“
Denn der Herr ist auch in den Zeiten der größten Angst und Not
mit seiner Liebe und seinem Trost bei seinem Volk. AMEN

Ich wünsche Ihnen und Euch von Herzen einen gesegneten vierten Fastensonntag und einen guten Start in die kommende Woche, trotz aller Unsicherheiten und Widrigkeiten unserer Zeit. Schauen wir gemeinsam auf den Herrn, spüren wir tief im Herzen seine Liebe.

Im Gebet verbunden Ihr/Euer
Kaplan Kai Amelung

 

Letzte Änderung am Freitag, 20 März 2020 14:50
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