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Kirchplatz von St. Johann Baptist in RefrathKirchplatz von St. Johann Baptist in Refrath

Freitag, 17 April 2020 11:48

Glaube verändert

geschrieben von

Wissenschaft Liebe Leserinnen und Leser!

„Wer’s glaubt, wird selig!“ – Normalerweise ist dieser Ausspruch eher abschätzig gemeint. Blinder Glaube steht bei uns nicht hoch im Kurs, lieber sind uns Dinge, die man beweisen kann. Viele Menschen sagen auch deutlich, sie glaubten nur, „was sie sehen können“ bzw. was (natur-)wissenschaftlich beweisbar ist. In der aktuellen Situation muss man da nicht lange nach Beispielen suchen. Gerade merken wir doch nur allzu deutlich: wenn es hart auf hart kommt und um Leben und Tod geht, dann ist Wissen wichtiger als Glauben. Ein Virus betet man nicht weg, da braucht man klare Fakten.

Neu ist das allerdings nicht: schon in den biblischen Ostererzählungen tauchen immer wieder Menschen auf, die sich nicht einfach damit abspeisen lassen, dass sie halt glauben müssten, was andere ihnen berichten. Im Johannesevangelium ist die erste Zeugin der Auferstehung Maria Magdalena – ausgerechnet eine einzelne Frau! Als sie den Auftrag bekommt, den „Brüdern“ die ungeheuerliche Nachricht zu bringen, glaubt ihr natürlich niemand. Die zweifelnden Jünger schließen sich ängstlich ein – bis sie Jesus selber sehen und mit ihm sprechen können.

Der eine, der nicht dabei war, Thomas, glaubt auch der Gruppe nicht. Er will genauso sehen wie sie. Mit diesem Zweifel wird er zum Stellvertreter für uns alle, die wir zu spät kommen und die leibliche Erscheinung des Auferstandenen verpasst haben. Er beschreibt sogar mit wissenschaftlicher Präzision, was er alles braucht, damit eine Begegnung mit Jesus ihn überzeugen könnte. Er will die Wundmale an den Händen und der Seite sehen und berühren, sie sind es, an denen er seinen Herrn erkennen kann.

Es gehört wohl zu den zentralen Botschaften unseres Glaubens, dass Gott unser Leben geteilt und dabei das Leid nicht ausgespart hat. Nicht etwa, weil Leiden einen Wert an sich hätte! Aber so hat er uns seine bedingungslose und unbegrenzte Liebe gezeigt. Dieses Leid ist nicht spurlos an Jesus vorüber gegangen – so wie auch wir von dem geprägt und verändert werden, was wir erleben, vielleicht gerade von Leid.

Doch dieses Treffen mit den Jüngern besteht nicht nur im Herzeigen der Wunden. Das dient nur der Identifizierung. Der eigentliche Inhalt ist ein Auftrag, eine Sendung. Jesus wünscht den Jüngern Frieden und haucht ihnen den Heiligen Geist ein. Er sendet sie „wie mich der Vater gesandt hat“, gibt ihnen also Vollmacht und trägt ihnen die Sündenvergebung auf. (Allen Jüngern, nicht nur den Aposteln! Aber das nur in Klammern…) Im Grunde haben wir hier schon den Beginn der Kirche.

Und wir heute? Wir kennen das alles nur durch Zeugenaussagen. Für uns gilt das Wort, das Jesus zu Thomas sagt: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ Glauben, dass das Leben stärker ist als der Tod. Glauben, dass Gott auch dann bei uns ist, wenn wir leiden müssen – gerade dann. Glauben, dass Jesus uns aus unserer Selbstisolierung herausholen kann und dass wir alle bevollmächtigt und gesandt sind, seine Botschaft in die Welt zu tragen. Dieser Glaube kann uns verändern und durch manche Krise tragen. Wer das glaubt, der wird wirklich selig.

Herzlich grüßt Sie
Schwester Barbara Offermann

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