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Ostern

Ostern2026
Datum:
26. März 2026
Von:
Winfried Kissel, Pfr.

Liebe Leserinnen und Leser,

liebe Mitglieder unserer Gemeinde,

mit den Heiligen Messen zu Palmsonntag beginnt die Karwoche und wir hören die Leidensgeschichte Jesu aus dem Matthäusevangelium. Sie offenbart, wie groß die Liebe Gottes zu uns Menschen ist. Jesus hat den Auftrag, die Liebe Gottes zu uns Menschen durch sein Leben, Leiden und Sterben zu bezeugen. Er öffnet uns neu die Beziehung zu Gott, der selber Liebe ist. Sein Sohn bleibt in der Liebe zu uns Menschen standhaft bis zum letzten Atemzug am Kreuz, also auch da, wo ihm nur Hass und Gewalt entgegenschlägt als er ans Kreuz genagelt wird. Und letztlich ist es die Liebe Gottes, die an ihm handelt, die Leben und Zukunft schenkt indem sie Jesus auferstehen lässt.

Mit den drei österlichen Tagen Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern feiern wir Christen das, was unseren Glauben ausmacht. Gott ist Liebe und er schenkt uns Teilhabe an dieser Liebe, er lässt uns nie allein und begleitet uns durch Höhen und Tiefen unseres Lebens hinein in die ewige Gemeinschaft mit ihm.

Ich habe schon öfters darauf hingewiesen, dass der Abendmahlsgottesdienst, die Karfreitagsliturgie und die Feier der Osternacht eigentlich ein einziger großer Gottesdienst sind, der auf drei Tage verteilt ist. In ihm feiern wir die die zentralen Inhalte unseres Glaubens. Zu Beginn der Abendmahlsfeier bekreuzigen wir uns, der Schlusssegen erfolgt erst in der Osternacht am Ende der Messe.

Während wir in der Liturgie vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag eingeladen sind, unser Leid, unsere Schuld und Begrenztheit von Gott liebevoll anschauen zu lassen, schenkt uns die Feier der Osternacht die Gewissheit, dass die Liebe stärker ist als der Tod und alle finsteren Mächte des Bösen.  Der Abendmahlsgottesdienst bringt Beides vorab zusammen. Er offenbart uns das innere Wesen der Eucharistie durch die Fußwaschung: Jesus ist nicht gekommen um zu herrschen und bedient zu werden, sondern um zu lieben und zu dienen. Er schenkt sich uns im Brot und im Wein um uns deutlich zu machen, dass er unseren Lebenshunger zu stillen vermag und uns durch seine Liebe die Erfüllung unseres Lebens eröffnet.

Das umseitige Bild von Christel Holl heißt „Im Brot vereint.“ Es verweist auf die beiden Emmaus-Jünger, die traurig und ratlos unterwegs sind nachdem ihr Herr und Meister gekreuzigt wurde und gestorben ist. Als der auferstandene Herr auf dem Weg zu ihnen stößt und ihnen den Sinn der Schrift erschließt, erkennen sie ihn nicht. Sie erkennen ihn erst in dem Augenblick, den das Bild festhält, als er abends mit ihnen einkehrt, das Brot nimmt, ein Dankgebet spricht und das Brot bricht wie er es im Abendmahlssaal getan hat. Es heißt, da gingen ihnen die Augen auf und sie sagten zueinander: „Brannte uns nicht das Herz als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften erschloss?“ (Lk24,32)

Das Brot der Eucharistie kann auch uns die Augen unserer Herzen öffnen. Es schenkt uns Gemeinschaft mit Gott und schon Anteil am göttlichen Leben und Gottes Liebe. Es will uns dazu befähigen, Gottes Liebe hier auf Erden schon mit Menschen zu teilen.

Pfarrer Winfried Kissel