Wüstenzeiten

Liebe Schwestern und Brüder,
im Evangelium des 1. Fastensonntags begegnet Jesus uns in der Wüste – jener faszinierenden und doch lebensbedrohlichen Landschaft. Im Bild der Wüste haben sich Menschen zu allen Zeiten wiederfinden können. In der äußeren Wüste können wir ein Bild unseres inneren Lebens sehen. Ich denke, jeder von uns kennt solche Wüstenzeiten. Da ist eine Krankheit, eine Enttäuschung, eine Not, ein Zweifel, ein Schmerz, eine Überforderung, das Alleinsein oder das Gefühl des Unverstandenseins – all das kann das Leben in mir zur Wüste machen. Wir bleiben nicht verschont von Wüstenzeiten. Wir bleiben nicht verschont von der Erfahrung, dass es Dürre gibt im Leben und Strecken, die sehr mühsam und hart sind.
In der Bibel ist die Wüste immer der Ort, an dem der Mensch auf besondere Weise Gott begegnet und erkennt, dass Gott ihn am Leben erhält. Das Volk Israel wandert 40 Jahre durch die Wüste, bevor es ins gelobte Land einziehen kann. Die Zahl 40 steht für Verwandlung und Neuwerden – egal ob 40 Tage oder 40 Jahre. Immer ist es eine Zeit der Prüfung, der Angst und Unsicherheit, der Versuchung, des Aufgebenwollens. Ein Prozess des Reifens und Wachsens. Und am Ende steht immer die Zusage Gottes: Ich bin da! Ich bin bei dir! Ich gehe mit dir, auch durch die Wüste, auch wenn es schwer wird. Du kannst mir vertrauen, ich verlasse dich nicht.
Das hat auch Jesus erfahren. Er hat erlebt, dass die 40 Tage in der Wüste für ihn und seinen weiteren Lebensweg wichtig sind. Die Wüstenzeit ist für ihn eine Zeit der Klärung, in der ihm klar wird, worin sein Auftrag besteht. Danach kann er mit seinem öffentlichen Wirken beginnen und zu den Menschen gehen. So geht er gestärkt aus diesen 40 Tagen in der Wüste hervor.
Wüstenzeiten sind nicht leicht. Aber es können auch für uns Zeiten sein, die neue Perspektiven eröffnen, die neuen Lebenswillen herausfordern. Auch Zeiten, in denen klar wird, dass im eigenen Leben Veränderungen anstehen können oder müssen.
Ihr / Euer Rijo Puthuva