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Dreimal untertauchen, einmal um den Altar

Taufwanne
Datum:
12. Aug. 2026
Von:
Gosia Höller
Pfr. Gabriel Dayan, syrisch-orthodoxer Priester

Ökumene ist bunt, manchmal sogar ganz wörtlich: Vor einigen Wochen kam Pfarrer Gabriel Dayan zu uns, um in unserer Pfarrkirche eine syrisch-orthodoxe Taufe zu feiern. Sein prächtiges Messgewand hat mich dabei nicht nur zum Fotografieren animiert, sondern auch meine Neugier geweckt. Umso mehr freuen wir uns, dass Pfr. Dayan trotz seiner vielen Aufgaben und Termine Zeit gefunden hat, uns ein wenig über seine Kirche und ihren Taufritus zu erzählen:

Die Heilige Taufe in der Syrisch-Orthodoxen Kirche

Diese Kirche wurde im Jahr 43 n. Chr. vom Apostel Petrus gegründet und feiert ihre Liturgie noch heute in der aramäischen Sprache, der Muttersprache Jesu.

Der Taufritus

Die Taufe ist das Sakrament (Mysterium), durch das der Mensch in das Reich Gottes eintritt. Sie wird durch dreimaliges Untertauchen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes vollzogen, ein Sterben mit Christus und ein Auferstehen zu neuem Leben.

Der Ritus umfasst vier heilige Handlungen:

    1. Die Taufvorbereitung 
      Der Täufling (oder bei einem Säugling stellvertretend der Taufpate) entsagt dem Satan und bekennt sich zu Christus. Der Priester spricht vor, der Taufpate spricht stellvertretend für das Kind nach.
    2. Die Reinigungstaufe
      Das dreimalige Untertauchen im Wasser.
    3. Die Myronsalbung (Chrisam)
      Die Versiegelung mit dem Heiligen Öl, das die Gabe des Heiligen Geistes vermittelt.
    4. Die Heilige Eucharistie (Kommunion)
      Der Täufling empfängt den Leib und das Blut Christi.

Besonders feierlich ist der Moment, wenn der Priester den Täufling dreimal um den Altar trägt, ein Zeichen der Hingabe an Gott und der Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche.

In der syrisch-orthodoxen Tradition werden in der Regel Säuglinge getauft, gestützt auf das Wort der Apostelgeschichte: „Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung.“ (Apostelgeschichte 2,39)

Das Messgewand

Die Kleidung des Priesters ist kein bloßes Zeremonialgewand.

Jedes Stück hat eine tiefe geistliche Bedeutung:

    • Das weiße Kleid (Kutino)
      Symbol der Reinheit und des Sieges.
    • Die Stola (Hamnikho) 
      der „Panzer der Gerechtigkeit“ (Epheser 6,14). Sie schützt den Priester gegen die Mächte der Finsternis und ist Zeichen der Gaben des Heiligen Geistes.
    • Der Gürtel (Zenoro) 
      erinnert an Jesu Fußwaschung und symbolisiert die göttliche Kraft.
    • Der Mantel (Fayno) 
      das Gewand der Herrlichkeit und Erlösung.
    • Das Scheitelkäppchen (Firo)
      seine sieben Teile stehen für die sieben Sakramente und sieben Gaben des Heiligen Geistes.

„Zieht die Waffenrüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt!“ (Epheser 6,11)

Was uns verbindet

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche bewahrt den Glauben der Apostel in seiner ursprünglichen Gestalt. Seit dem gemeinsamen Abkommen von Papst Johannes Paul II. und Patriarch Mor Ignatius Zakka I. Iwas am 23. Juni 1984 sind unsere Kirchen in besonderer Weise verbunden. Damals wurde eine tiefe Gemeinschaft im Glauben bekannt und die gegenseitige Zulassung zu den Sakramenten der Buße, Eucharistie und Krankensalbung in pastoralen Notfällen ermöglicht.

Wenn wir auf unsere syrisch-orthodoxen Geschwister schauen, blicken wir auf unsere gemeinsamen Wurzeln.
Pfr. Gabriel Dayan

syrisch-orthodoxe Taufe

4 Bilder

Fotos: Gosia Höller