Gar nicht so einfach

Liebe Leserinnen und Leser!
Nun hat die Schule wieder begonnen, und auch in unserer Gemeinde ist die Sommerpause zu Ende. Pünktlich dazu lesen wir an diesem Wochenende eine Verhaltensanweisung Jesu, wie man miteinander umgehen soll, wenn in der Gemeinde etwas schiefläuft. Was tun, wenn einer sich falsch verhält?
Es wird kein konkretes Beispiel genannt, es heißt nur „wenn dein Bruder sündigt“. Das kann alles Mögliche sein, nehmen wir als Beispiel mal einen Ehebruch. Im Normalfall versucht man, das erst mal zu ignorieren: „Das hört schon irgendwie von alleine auf.“ Tut es eher nicht. Dann gibt es eine ebenfalls häufig gewählte Reaktion: man fängt an, darüber zu reden. Hinterrücks, so dass der oder die Betreffende keine Stellung beziehen kann. Auch das wird das Problem sicher nicht lösen, sondern eher durch Gerüchte verschärfen.
Jesus zeigt eine Alternative: sprich denjenigen an! „Weise ihn unter vier Augen zurecht.“ Wenn er darauf nicht reagiert, soll man einen anderen hinzuziehen, wenn er sein Verhalten immer noch nicht ändert, dann und erst dann soll man die Sache der Gemeinde vorlegen.
Klingt gut. Aber wie selten schaffen wir es, so zu handeln! Jemanden direkt auf ein Fehlverhalten anzusprechen, ist schwierig. Sich (gemeinsam) über jemanden aufzuregen, ohne ihm das zu sagen, ist viel einfacher. Es ist nur leider nicht besonders zielführend. Jedenfalls wenn das Ziel ist, dass die Person ihr Verhalten ändert, damit man wieder besser und vertrauensvoller zusammenleben und -arbeiten kann. In diesem Fall gibt es keinen anderen Weg als die direkte Ansprache. Den Mut dazu sollten wir aus dem Bewusstsein bekommen, dass wir als Gemeinde Jesu zusammengehören. Eine fromme Utopie? Ich hoffe nicht.
Herzliche Grüße
Sr. Barbara