Über Kranke und Gesunde

Liebe Leserinnen und Leser!
Stellen Sie sich vor, Sie sind krank und brauchen dringend ein Medikament. Doch Sie bekommen keinen Termin, denn die Sprechstundenhilfe sagt: „Tut mir leid, aber Sie sind zu krank. Der Doktor verschreibt keine Medikamente mehr, er berät nur noch gesunde Patienten bei der Auswahl ihrer Nahrungsergänzungsmittel.“ Wäre das nicht absurd? Nicht die Gesunden brauchen doch den Arzt, sondern die Kranken!
Das ist es, was Jesus im Evangelium zu den Pharisäern sagt. Die wundern sich nämlich darüber, dass er mit „Zöllnern und Sündern“ Mahl hält. Aber zu denen ist Jesus gesandt: er will die Sünder rufen, nicht die Gerechten.
Die Pharisäer würden sich selber wohl als gerecht bezeichnen – aber sind sie es? Und was ist mit uns? Teilen wir nicht auch oft genug die Menschen in die Gerechten und die Sünder ein? Natürlich wissen wir, dass wir alle in Jesus erlöst sind – und trotzdem immer wieder sündigen. Jede/r von uns ist also sowohl gerecht als auch sündig. Hätte Jesus also mit uns Mahl gehalten? Ich denke ja! Er kehrt bei jedem ein, der ihn aufnimmt.
Unsere Kirche sieht das anders. Sie weiß genau, wer zu sündig ist, bzw. “in Sünde lebt“ und daher nicht mit Jesus Mahl halten kann. Die Pharisäer haben wenigstens verwundert gefragt, doch unsere Kirche ist sich ganz sicher. So sicher, dass sie es tatsächlich verbindlich vorschreibt, wer Jesus in der Eucharistie empfangen darf und wer nicht. Wie die Sprechstundenhilfe, die am Tresen sortiert: „Tut mir leid, aber Sie sind zu krank. Werden Sie erstmal gesund, vorher kann ich sie leider nicht zum Doktor durchlassen!“ Ist das nicht absurd?
Fragende Grüße
Sr. Barbara