„Wir müssen das weitermachen!“

150 Sängerinnen und Sänger erleben beim Chortag „Bergisch singt!“ Gemeinschaft über Gemeindegrenzen hinweg
BERGISCH GLADBACH. „Wir müssen das weitermachen!“ Mit dieser beherzten Forderung einer Sängerin endete am 12. September ein rund neunstündiger Chortag, der die Erwachsenenchöre der fünf Seelsorgebereiche der künftigen Pastoralen Einheit Bergisch Gladbach erstmals in dieser Form zusammenführte.
Im modernen Refrather Gemeindezentrum wurde gemeinsam gesungen, geprobt, gelacht, gegessen und erzählt. Rund 150 Sängerinnen und Sänger aus den derzeit noch sieben Pfarreien waren der Einladung zu „Bergisch singt!“ gefolgt.
Dabei zeigte sich schnell: Wo die Sprache der kirchlichen Strukturen bisweilen kompliziert wird, kann Musik unmittelbar verbinden. Die Sängerinnen und Sänger begegneten einander als Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen: gemeinsam zu singen.
Unter der Leitung der fünf Seelsorgebereichsmusiker erarbeitete die Gruppe ein vielseitiges Programm. Es reichte vom 100. Psalm Felix Mendelssohn Bartholdys über zeitgenössische Chormusik bis hin zu hymnischer englischer Chorliteratur. Dabei lernten die Teilnehmenden nicht nur unterschiedliche Kompositionen kennen, sondern auch die Arbeitsweisen, Gestik und den Humor von gleich fünf verschiedenen Chorleitern. Dass diese selbst Freude an der gemeinsamen Arbeit hatten, war dabei deutlich zu spüren.
Auch organisatorisch lebte der Tag vom Engagement der Chöre selbst. Viele Helferinnen und Helfer kamen aus den eigenen Reihen. Wie groß die Eigeninitiative war, zeigte sich nicht zuletzt am üppigen Mitbringbuffet. Das Refrather Café Credo steuerte eine kräftige Suppe bei. Bei heiterem Wetter wurde kurzerhand der gesamte Kirchenplatz zum gemeinsamen Speisesaal. Rund 150 gut gelaunte Chorsängerinnen und Chorsänger saßen und standen dort zusammen, plauderten und ließen es sich schmecken.
Den geistlichen Höhepunkt bildete das musikalische Abendlob in St. Johann Baptist. Vor gut besuchter Kirche erklang die tagsüber einstudierte Chormusik, eingebettet in Schriftwort, Stille und Gebet. Dem Abendlob stand Pfarrer Dr. Axel Hammes, Chorpräses in Bensberg, vor. Er verwies auf die besondere Weise, in der Musik und besonders der gemeinsame Gesang einen Bezug zu Gott herstellen können. Durch das Musizieren in Verbundenheit „stiftet dichte Mehrstimmigkeit kein babylonisches Chaos, sondern Fülle und Glanz“. Mit Blick auf den Enthusiasmus des Projektchores bezeichnete Hammes die Sängerinnen und Sänger als „Avantgarde des gemeinsamen Aufbruchs“.
Der Tag machte erfahrbar, was gemeinsames kirchliches Leben jenseits von Strukturen und Zuständigkeiten bedeuten kann: Begegnung, musikalische Qualität, Freude und die Erfahrung, dass Verschiedenheit bereichern kann.
So war es nur folgerichtig, dass der Tag nach dem Schlusssegen noch nicht ganz zu Ende war. Bei Kölsch und angeregten Gesprächen wurde der Abend in heiterer Runde verlängert. „Wir müssen das weitermachen!“ Viel mehr musste am Ende eigentlich nicht gesagt werden.
Martin Meyer
Seelsorgebereichsmusiker in Bensberg-Moitzfeld