Zum Mitnehmen oder Hiergebrauch?

Weihwasser gibt es in unseren Kirchen nicht nur „zum Hiergebrauchen“ am Weihwasserbecken. Wer möchte, darf sich gerne etwas davon mit nach Hause nehmen. Ein kleines Weihwassergefäß gehört in manchen Familien ganz selbstverständlich zur Wohnung, oft gleich neben der Tür. So kann man sich auch zu Hause mit Weihwasser bekreuzigen und sich an die eigene Taufe und an Gottes Segen erinnern.
Aber was genau ist eigentlich Weihwasser? Und ist das dasselbe wie das Wasser bei der Taufe?
Chemisch gesehen schon, liturgisch gesehen nicht: Bei der Taufe spielt Wasser eine ganz besondere Rolle. Das Taufwasser ist ein wesentliches Zeichen des Sakraments. Es wird im Taufgottesdienst geweiht; durch das Übergießen und die Taufformel wird die Taufe gespendet. Das Wasser steht dabei für Reinigung, neues Leben und die Teilhabe an Tod und Auferstehung Christi.
Weihwasser dagegen ist gesegnetes Wasser und gehört zu den sogenannten Sakramentalien. Und was ist der Unterschied zwischen einem Sakrament und einem Sakramentale? Die sieben Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie in jeder Messe und besonders in der Erstkommunion, Buße, Krankensalbung, Weihe und Ehe) sind von Christus eingesetzte Zeichen, durch die Gottes Gnade in besonderer Weise vermittelt wird. Sakramentalien dagegen sind von der Kirche eingesetzte heilige Zeichen und Segenshandlungen. Sie sind keine Sakramente, sondern sollen unseren Alltag auf Gott hin ausrichten und uns für den Empfang der Sakramente bereiten.
Lateinische Zungenbrecher zum Weihwasser
Weihwasser erinnert deshalb besonders an die eigene Taufe und begleitet den Glauben auch außerhalb der Kirche. Es wird beispielsweise beim Asperges verwendet: Bei diesem Ritus besprengt der Priester die Gemeinde mit Weihwasser, etwa in der Osternacht beim Taufgedächtnis.
Das Weihwasser wartet dabei in einem Aspersorium, also einem Weihwassergefäß oder Weihwasserkessel. Der Priester nimmt den Aspergill, den Weihwassersprenger, taucht ihn ins Wasser und besprengt damit die Gemeinde. Der Name kommt vom lateinischen aspergere – „besprengen“.
Zum Mitnehmen?
Und natürlich gibt es Weihwasser auch für unterwegs: Unsere Pfarrei besitzt kleinere Aspergille, bei denen das Weihwasser bereits in einem kleinen Tank mitgeführt wird. Praktisch zum Beispiel für Beerdigungen auf dem Friedhof, denn auch dort möchte man schließlich nicht einen ganzen Weihwasserkessel mitschleppen müssen.
Also: Weihwasser zum Hiergebrauch oder zum Mitnehmen? Beides. "Einmal Segen, bitte und den Rest für zu Hause."